„Low-Budget“-Maschinen

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Gerade bei kleinen Handwerksbetrieben stellt sich oft die entscheidende Frage beim Neumaschinenkauf, welches Investitionsvolumen für eine Anschaffung angesetzt werden soll. Die Maschine soll sich zum einen „zeitnah“ amortisieren, aber trotzdem die anfallenden Arbeiten qualitativ zufriedenstellend bewältigen, um gegenüber der Konkurrenz keine Nachteile zu haben. Diese Frage stellen sich natürlich auch größere Betriebe, aber gerade kleine Betriebe haben hier oft nicht die Möglichkeit eine größeren Investition, oder gar das Arbeitsvolumen um eine hochwertige Maschine ordentlich auszulasten. Welche Optionen stehen dem Anwender hier zur Verfügung? Und welche Entscheidung ist am Ende die richtige, wenn es eine Neumaschine sein soll/muss?

 

Natürlich kommt es bei der Entscheidung ganz darauf an, welcher Maschinentyp für welchen Handwerksbetrieb benötigt wird. Handelt es sich nur um eine Beistellmaschine für gelegentlich anfallende Arbeiten, oder stellt die Investition eine Anschaffung in die Kernkompetenz des Betriebes dar (z. B. eine Schwenkbiegemaschine für einen Spengler, oder eine Abkantpresse für einen Schlosser?). Je nachdem ist natürlich die Investitionsbereitschaft größer oder kleiner. Leider bietet gerade der Neumaschinenmarkt nicht so viele passende Abstufungen in Bezug auf das Investitionsvolumen. Die „Kluft“ zwischen „preiswert“ und „hochpreisig“ ist riesig. Es gibt unzählige Anbieter von „Low Budget“ Maschinen gerade aus Asiatischen Bereich, sowie unzählige Anbieter von „High-End“ Maschinen aus dem nationalen bzw. Europäischen Bereich. Maschinen aus dem „Midrange-Bereich“ sind praktisch über die Jahre gänzlich verschwunden.

 

Es bietet sich gerade zu Geschäftsbeginn gerade der Gebrauchtmaschinenmarkt für Investitionen an. Oft sind aber staatliche- oder EU-Förderungen ein Thema, welche die Investition in eine Neumaschine verlangen, oder die Auftragsbücher sind bereits zum Beginn der Geschäftstätigkeit so gefüllt, dass durch das anfallende Arbeitsvolumen aus vernünftiger Sicht nur in eine Neumaschine investiert werden kann. Manchmal stehen gelegentlich regionale Förderungen zur Verfügung, welche unter gewissen Umständen den Kauf einer Gebrauchtmaschine zulassen. Aber das ist eher selten, weil staatliche Stellen vorwiegend das Interesse verfolgen, die Wirtschaft gerade in der Industrie durch diese Subventionen anzukurbeln, nach dem Motto „Produktionswachstum“.

 

Da natürlich jeder am besten so wenig wie möglich investieren möchte, und das Investitions- und Arbeitsvolumen oft nicht für eine hochpreisige Maschine ausreicht, muss die entscheidende Frage lauten: Ist „Low-Budget“ gleich „Low-Quality“? Diese Frage kann natürlich nicht durch ein einfaches „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden. Es kommt zum einen darauf an, um welchen Maschinentyp es sich handelt, und zum anderen was der Anwender für eine Erwartung hat. Im allgemeinen würden wir allerdings nicht sagen dass höhere „Stillstandzeiten“ durch technische Defekte, bei „Low-Budget“ Maschinen exemplarisch sind. Es ist wohl oft eher eine Anhäufung von kleineren „Qualitätsunterschieden“ („Mängeln“) die den Unterschied zu hochpreisigen und namhaften Maschinen ausmachen. Der größte Unterschied liegt natürlich im Technologiefortschritt. Trotzdem sind Stillstandzeiten und Defekte praktisch bei jedem technischen Gerät möglich, egal wie namhaft oder teuer. Es ist ein weiterverbreiteter Mythos zu glauben teure und namhafte Maschinen würden immer funktionieren. Die Wahrscheinlichkeit eines Defektes, Fehlers oder sogar kompletten Stillstandes in nur deutlich geringer.

 

Der entscheidende Unterschied liegt oft im Service und in der Fähigkeit der Maschine, im voll funktionsfähigen Zustand qualitativ zufriedenstellend zu arbeiten. Durch die oben genannte Anhäufung von kleinen Qualitätsunterschieden bei „Low-Budget“ Maschinen steckt der Teufel oft im Detail. Selbst im optimalen Zustand arbeitet die Maschine vielleicht nicht mit der gewünschten oder geforderten Genauigkeit, oder gewisse Funktionen laufen nicht wie gewünscht. Oft stößt man hier auf Probleme welche sich praktisch nicht beheben lassen, weil diese garkein eigentlicher „Fehler“ sind, sondern ein Qualitätsmangel aus der Produktion. Man muss also oft mit gewissen Einschränkungen leben. Das hat natürlich Gründe...

 

Die meisten Hersteller von „Low-Budget“ Maschinen erfinden das Rad nicht neu. Sie nehmen zur Produktion Ihrer Maschinen vorhandene, oft namhafte Komponenten und verknüpfen diese miteinander. Viele dieser Hersteller produzieren selbst nur den Grundkörper der Maschine. Alle anderen Komponenten wie z. B. Steuerungen, Bombiersysteme, Werkzeugklemmungen, Elektrik, Hydraulik usw. sind Zukaufprodukte. In unseren Augen liegt der größte Qualitätsunterschied in der Fähigkeit diese unterschiedlichen Systeme optimal aufeinander abzustimmen. Die Komponenten der Maschine „harmonieren“ oft nicht genug. Wir haben bei unserer langjährigen Tätigkeit oft festgestellt dass z. B. gerade Steuerungen oft nicht optimal auf das Hydraulik- oder Bombiersystem abgestimmt sind, obwohl alle Komponenten von namhaften Herstellern stammten. Der Hersteller selbst hatte die Systeme einfach nicht optimal miteinander verknüpft. Das führte zu Einschränkungen im laufenden Betrieb. Dieser Grund stellte sich immer wieder als Basis für einen vorhandenen Fehler heraus.

 

Wollen wir somit generell von „Low-Budget“ Maschinen abraten? Nein definitiv nicht, gerade weil diese Maschinen zwischenzeitlich ein großes Standbein für kleine Handwerksbetriebe darstellen, um noch Konkurrenzfähig zu sein. Unter Umständen bzw. einigen Gesichtspunkten kann der Kauf einer besonders günstigen Maschine sogar Sinn machen. Der Unterschied liegt hier in der Verfügbarkeit von geschulten Servicepersonal, Händlerseitig (gerade bei Importprodukten), aber auch (ganz wichtig) Herstellerseitig. Egal wie geschult und fähig Servicemonteure von Händlern oder Servicefirmen sind, viele Probleme lassen sich nur gemeinsam mit der Hilfe des Herstellers beheben. Das betrifft die Ersatzteilversorgung zu gleichen Teilen wie die schnelle Verfügbarkeit von Antworten.

 

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Unser Bericht ist sehr allgemein gehalten und trifft sicher nicht alle Hersteller die mit unseren Aussagen betroffen sein könnten. Wir beraten Sie hierzu gerne. Nutzen Sie unsere weitgehende Marktübersicht basierend auf unserer langjährigen Erfahrung. Wir geben Ihnen ehrliche Kaufempfehlungen.

 
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