Bombieren

 

Abkantpressen, Motor- oder Langabkantmaschinen sollten beim Biegen ab einer gewissen Blechdicke eine Bombierung verwenden. Alle Maschinen sind im Bereich der Rahmen sowie Ständereinheiten am massivsten und verwindungsärmsten. In diesen Bereichen kommt es deshalb zu deutlich weniger Deformation und Durchbiegung, als am Rest der Fläche. Damit jedes Profil einen genauen Winkel aufweist, der über die Länge hinweg gleich bleibt, werden Press- und Biegekräfte im Idealfall gleichmäßig über die Abkantlänge verteilt. Da die Maschine aber wie angesprochen nicht an allen Stellen gleichen „Widerstand“ leistet, kommt es bei hoher Krafteinwirkung in schwächeren Teilbereichen zu einer Durchbiegung bzw. elastischen Verformung. Wenn diese nicht korrigiert wird, spiegelt sich das im Biegeergebnis wieder. Das Hauptproblem ist hierbei, dass die Verformung nicht gleichmäßig erfolgt. Ein ledigliches Über- oder Unterbiegen würde an dem Biegeergebnis nichts ändern. Die meisten Abkantpressen sowie viele Schwenkbiegemaschinen benötigen also ein Bombiersystem.

Abkantpressen

Bei einer Abkantpresse hat das Profil im Idealfall nach einer 90° Kantung auch dessen Winkel, zumindest an den Seiten der Maschine, weil hier die Rahmen den Maschinentisch stützen. Je nach Materialdicke und Presskraft kommt es dann aber in der Mitte der Maschine zu einer Verformung. Da die Presskraft über die Kantlänge gleichmäßig verteilt sein sollte, gibt der Maschinentisch an den Stellen nach, an denen er nicht durch einen Rahmen verstärkt wird. In der Mitte der Maschine somit am meisten, abnehmend bzw. stabiler werdend zu den Seiten. Den gleichen Effekt gibt es auch beim Pressbalken. Welcher Teil der Maschine nun mehr nachgibt (Tisch oder Pressbalken) ist konstruktionsabhängig und lässt sich nicht pauschal definieren. Die Durchbiegung bzw. Deformation beträgt zwar in der Regel nur bis zu 0,15mm, wenn man aber bedenkt das etwa 0,7mm schon 1° Differenz im Biegeergebnis erzeugen, muss diese Abweichung entsprechend ausgeglichen werden, damit es zu keinen Verwindungen und Ungenauigkeiten im Profil kommt. Zum Ausgleich dieser Deformation ist bei den meisten Abkantpressen ein Bombiersystem im Maschinentisch oder in der Unterleiste integriert. In den meisten Fällen wird heutzutage ein Keilsystem verwendet. Hierbei schieben sich Keile übereinander, je nachdem wie stark bombiert werden muss, und gleichen die Deformation entsprechend aus. Diese Art der Bombierung kann entweder manuell über ein Handrad oder motorisch über die CNC-Steuerung erfolgen (und somit automatisch). Bei sehr hohen Presskräften wird häufig eine hydraulische Bombierung verwendet, welche mithilfe von Bombierkolben im Tisch einen Ausgleich schafft. Je nach System errechnet die Steuerung entweder vorgegebene Werte und bombiert nach diesen entsprechend, oder misst und korrigiert die Verformung in Echtzeit. Letzteres System ist deutlich kostspieliger aber auch genauer. Rein mechanische Abkantpresse mit Rollensystem benötigen oft gar keine Bombierung mehr, da das Riemensytem welches im Pressbalken integriert ist einen sehr genauen Ausgleich der Presskräfte über die Abkantlänge erzeugt. Aber auch besonders kleine Maschinen oder Maschinen mit sehr wenig Tonnage benötigen keine Bombierung, da es hier zu keiner signifikanten Durchbiegung kommt. Wichtig zu erwähnen ist zudem dass die Rahmen der Maschine auch einer Aufbiegung unterliegen. Die Kompensation dieser vertikalen Aufbiegung ist allerdings ein ganz anderes Thema.

Motor-Abkantmaschinen

Bei Schwenkbiegemaschinen verhält es sich technisch etwas anders, ist aber vom Prinzip her die gleiche Thematik. Hier biegt sich allerdings nicht der Maschinentisch (also die Unterwange) durch, sondern die Biege- bzw. Oberwange gibt nach. Eine Motor-Abkantmaschine ist ähnlich wie eine Abkantpresse an den beiden seitlichen Maschinenständern besonders massiv und stabil. Hier kommt es zur geringsten bzw. keiner Deformation. Je weiter das Material in der Mitte ist, desto stärker wird die Deformation, zumindest beim Kanten dickerer Bleche. Kleinere Maschinen für Dünnbleche benötigen daher kein Bombiersystem. Anders als bei Abkantpressen wird hier nicht der Maschinentisch vorgespannt sondern die Biegewange. In den meisten Fällen erfolgt dies manuell mittels Einsatzwerkzeug oder Rändelgriff. Eine Mechanik im Tisch sorgt dafür, dass dieser in der Mitte vorgespannt wird und eliminiert Verwindungen im Profil.

Langabkantmaschinen

Bei Langabkantmaschinen erfolgt die Bombierung noch einmal etwas anders. Hier wird weder die Biegewange noch die Unterwange vorgespannt, sondern der gesamte Maschinenständer mit der Oberwange. Die mittleren Ständereinheiten werden etwas nach vorn gesetzt, um die Verwindungen über die Profillänge hinweg zu eliminieren. So wird ein Ausgleich geschaffen von Ständereinheit zu Ständereinheit. Dies erfolgt in den meisten fällen manuell vom Anwender.

Radiusverstellung

Bei Motor- und Langabkantmaschinen muss ab einer bestimmten Blechdicke zusätzlich der Radius angepasst werden bzw. der „Luftspalt“ zwischen Biege- und Oberwange (Blechdickeneinstellung-/Radiusverstellung). Ab 2,0mm Biegeleistung sollte eine Maschine damit ausgerüstet sein, unabhängig ob es sich beim zu bearbeitenden Material um Aluminium oder Stahl handelt. Hierbei wird der Abstand zwischen der Oberwange und der Biegewange angepasst. Bei einer Motor-Abkantmaschine lässt sich hierfür die Biegewange absenken, entweder manuell oder motorisch. Bei einer Langabkantmaschine wird hierfür die Oberwange angepasst, indem Ständereinheiten vor- oder zurückgesetzt werden, je nach Materialdicke. Dies kann hydraulisch erfolgen.

Hiermit bestätigen wir, dass Maschinenberatung.de diese Arbeit selbständig verfasst und keine anderen Quellen und Hilfsmittel verwendet hat. Wir weisen speziell darauf hin das sich verschiedene Vor- und Nachteile sowie Eigenschaften nicht auf alle Fabrikate anwenden lassen. Oft sind andere Faktoren maßgeblich entscheidend, auf welche Hersteller individuell eingehen, um somit Ihre Produkte zu verbessern. Dieser Text soll als ein genereller Leitfaden angesehen werden, welcher sich bedingt durch unsere langjährige Erfahrung so darstellt. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel.

München im März 2017

 

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