Schwenkbiegemaschinen

 

Schwenkbiege- oder Langabkantmaschinen werden zum Biegen von Blechen verwendet. Beim Biegevorgang wird das Blech zwischen der Ober- und Unterwange geklemmt und durch die nach oben schwenkende Biegewange auf den gewünschten Winkel gebogen. Es handelt sich bei diesem Biegeverfahren um eine Biegeumformung mit drehender Werkzeugbewegung.

Ausstattungsmerkmale:

Bauarten (Ausführliche Gegenüberstellung: Hier klicken):

  • Motor-Abkantmaschinen: Diese Maschinenart wird in der Grundbauweise mit zwei seitlich abschließenden Maschinenständern, also in geschlossener Form gebaut. In den beiden Ständereinheiten rechts und links ist sowohl die Biegewange mit den entsprechenden Drehpunkten, als auch die Oberwange montiert. Übersetzungselemente der Antriebe sind im Seitenständer integriert. Der Biegewangenantrieb erfolgt in den meisten Fällen komplett mechanisch. Die mechanischen Komponenten bestehen hauptsächlich aus Zahnrädern und Ketten. Die Klemmung der Oberwange erfolgt entweder über einen Exzenter-Mechanismus, Gewindespindeln, Wellen oder seltener hydraulisch über Zylinder, je nachdem welche Klemmkraft bzw. Zudrückleistung (beim Falzen) benötigt wird.

    Die Blechdicken-/Radiuseinstellung erfolgt über die Biegewange. Diese lässt sich entsprechend absenken, entweder manuell und mechanisch, (seltener hydraulisch) oder komplett motorisch (Biegewangenabsenkung), je nach Größe der Maschine. Bei letzterem erfolgt dies somit automatisch über eine CNC-Steuerung. Die Bombierung zur Kompensation des Biegewinkels erfolgt über einen Vorspann-Mechanismus, welcher in der Biegewange integriert ist. Die Biegewange wird punktuell vorgespannt und dem Biegeprozess angepasst, um Verwindungen im Profil zu eliminieren. Dies erfolgt in der Regel mechanisch manuell, aber es sind auch motorische oder hydraulische Versionen verfügbar.

    Durch die Bauweise von nur zwei Ständereinheiten rechts und links, werden Motor-Abkantmaschinen in der Regel nur bis zu einer Abkantlänge von 4.000mm gebaut. Darüber hinaus wird die Bauform unwirtschaftlich, da die Maschinen mit Ihren Komponenten zu groß dimensioniert werden müssten, um eine entsprechende Leistung über die komplette Länge zu übersetzen.

  • Langabkantmaschinen: Die Langabkantmaschine ist in Ihrer Bauweise mit deutlich mehr und zudem einer variablen Anzahl von Ständereinheiten ausgestattet, welche in einem Abstand über die komplette Maschinenlänge verteilt sind. An den Ständereinheiten ist die Oberwange montiert. Die Anzahl und Entfernung der Ständereinheiten variiert je nach Maschinenlänge und der maximalen Biegeleistung. Je länger die Maschine und je höher die Biegeleistung, desto enger stehen die Ständereinheiten zusammen, desto massiver sind diese, und desto mehr werden über die Maschinenlänge verbaut. Jede Ständereinheit besitzt einen eigenen Oberwangenzylinder. Mit einer zunehmenden Anzahl von Ständereinheiten erhöht sich bei gleichbleibender Abkantlänge zudem die Zudrückleistung der Maschine. Die ganze Konstruktion ist seitlich offen und für das Handling langer Bleche bestens geeignet, dadurch aber nach hinten geschlossenen und in der Tiefe begrenzt. Jede Maschine besitzt eine begrenzte Einlegetiefe, welche in der Regel 1.000mm oder heute vermehrt 1.250mm ist. Für die Rollenschere ist eine Parkstation möglich, und es kann somit über die komplette Maschinenlänge geschnitten werden.

    Langabkantmaschinen werden ausschließlich hydraulisch angetrieben. Die hydraulische Energie wird über Ober-/ und Biegewangenzylinder übertragen. Es existieren mechanische Übersetzungen im Bereich des Tiefenanschlags und der Biegewange (Biegewangengelenke). Üblicherweise werden Langabkantmaschine ab einer Baulänge von 4.000mm (auch 3.000mm möglich) bis zu einer Baulänge von 12.000mm angeboten (Sonderlängen lassen sich realisieren). Die gängigen Baulängen befinden sich aber im Bereich von 4.000mm – 8.000mm, speziell 6.000mm. Es lassen sich Blechdicken von bis zu maximal 4,0mm Stahl (400 N/mm²) verarbeiten.

    Die Bombierung sowie Blechdicken-/Radiusverstellung erfolgt anders als bei der Motor-Abkantmaschine nicht über die Biegewange sondern über die Ständereinheiten. Bei der Radiusverstellung werden alle Ständereinheiten entsprechend der Blechdicke über die CNC-Steuerung etwas vor oder zurück gesetzt. Dies geschieht mithilfe einer Welle. Somit setzt die Profilschiene an der Oberwange etwas zurück, weiter vorn, oder parallel der Unterwange auf, und gleicht somit den Luftspalt zur Biegewange aus, je nachdem welches Material oder welche Materialdicke gekantet wird. Die Bombierung bzw. Winkel-Kompensation erfolgt über die Vorspannung einzelner Ständereinheiten. Diese können individuell justiert werden. In der Regel erfolgt dies manuell durch den Anwender.

Steuerungen/Bedienung

  • Hand-Maschinen: Die Bewegung der Ober- bzw. Biegewange erfolgt durch den Anwender selbst. Die Maschine besitzt keinen Motor und keinen Antrieb. Bei Schwenkbiegemaschinen in zwei Ständer Bauweise können hier Abkantlängen von bis zu 4.000mm realisiert werden. Eine Kantleistung von bis zu 3,0mm Stahl N/mm² (allerdings auf 1.000mm Abkantklänge) ist möglich. Langabkantmaschinen wurden in der Vergangenheit ebenfalls als Hand-Maschinen bis zu 6.000mm Kantlänge gebaut. Heute ist uns aber kein Hersteller bekannt welcher solche Maschinen noch produziert.

  • Konventionelle Steuerungen: Für Motor-Abkantmaschinen werden manuelle Steuerungen mit Drehrad bzw. einer Potentiometer-Steuerung angeboten. Hierbei wird der gewünschte Biegewinkel bei jedem Bug manuell mit einem Drehrad voreingestellt. Eine Programmierung und Speicherung von Programmen ist nicht möglich. Bei Langabkantmaschinen wird von vielen Herstellern die gleiche Steuerungsart offeriert. Zudem gibt es aber auch die Möglichkeit einer 2-Achsen Steuerung, bei welcher sowohl der gewünschte Biegewinkel vorgewählt, als auch eine Rollenschere bedient werden kann. Hierbei wird ein Display verbaut welches die voreingestellten Werte digital anzeigt. Eine Speicherung von üblicherweise 9 nacheinander folgenden Biegewinkeln ist möglich.

  • NC-Steuerung: Hierbei werden Steuerungen mit nummerischer Anzeige verbaut. Eine grafischer Visualisierung des Profils findet nicht statt. Es sind Profilsätze speicherbar. Für jeden Schritt kann der Biegewinkel, das Tiefenanschlagmaß und die Öffnungshöhe der Oberwange programmiert werden. Die Maschine fährt dann den Profilsatz Schritt für Schritt ab. Hinweise ab wann das Blech gedreht oder gewendet werden muss können hinterlegt werden. Die Steuerung zeigt dies dann optisch an. Grundsätzlich muss der Anwender eine visuelle Vorstellung des zu bearbeitenden Profils aber im Kopf haben bzw. es sich durch technische Zeichnungen anderweitig anzeigen lassen.

  • CNC-Steuerung: Die neuesten CNC-Steuerungen sind mit einem Touch-Bildschirm ausgestattet und allen Möglichkeiten der visuellen Darstellung des zu bearbeitenden Profils. Die Steuerungen errechnen die Biegereihenfolge auf Wunsch automatisch. Das Zeichnen des Profil erfolgt entweder an der Steuerung selbst oder an einem externen Medium wie einem Tablet oder Computer. Die Daten können in die Steuerung eingespielt werden. Mit einer CNC-Steuerung lassen sich alle motorisierten Achsen der Maschine verarbeiten. Außerdem ist die Steuerung mit Korrekturwerten ausgestattet, um mögliche Auffederungen zu kompensieren (Überbiegen).

Antriebe:

  • Hydraulik: Langabkantmaschinen werden grundsätzlich hydraulisch angetrieben. Es existieren mechanische Übersetzungen, wie zum Beispiel bei Tiefenanschlägen und den Biegewangen-Gelenken. Oft wird sogar die Rollenschere hydraulisch angetrieben und von einem Stahlseil gezogen. Der Tiefenanschlag wird grundsätzlich über einen AC-Servo-Motor angetrieben, und mechanisch mit einem Zahnriemen über eine Profilschiene gezogen. Bei Doppelabkantmaschinen haben die Multiproportionalen Hydraulikaggregate in jüngster Vergangenheit eine immer größer werdende Bedeutung. Diese können mehrere Achsen der Maschine simultan bewegen. Das bedeutet das eine Achse nicht auf die vollständige Beendigung der Achsbewegung einer anderen warten muss, sondern bereits mit Ihrem programmierten Verfahrweg starten kann bevor die andere zum stehen kommt. Das beschleunigt die Arbeitsprozesse bei diesen Voll- oder Halbautomaten enorm.

  • Motorisch/Mechanisch: Motor-Abkantmaschinen werden immer (wie der Name schon sagt) motorisch angetrieben und mechanisch übersetzt. Lediglich die Oberwange kann bei größeren Maschinen hydraulisch betrieben werden, um eine höhere Klemmkraft zu realisieren. In wenigen Ausnahmefällen gibt es sogar komplett hydraulisch angetriebene Maschinen (Oberwange/Biegewange). Diese verfügen über eine hohe Kant- und Zudrückleistung, welche wirtschaftlich nur noch über ein Hydrauliksystem übersetzt werden kann. Die übliche Übersetzung bei mechanischen Maschinen erfolgt aber über Zahnräder und Ketten, sowie über Exzentermechanismen, Wellen oder Spindelantrieben für die Oberwange. Die Tiefenanschläge werden über Zahnstangen oder Kugelumlaufspindeln übersetzt und über einen AC-Servomotor angetrieben. Es ist zu erwähnen das bei Maschinen mit geringer Kantleistung oft nur eine Seite der Biegewange angetrieben wird und die andere Seite die Bewegung simultan übersetzt (mithilfe einer Welle). Bei größeren Maschinen werden grundsätzlich beide Seiten mit jeweils einem Motor angetrieben.

Biegeleistung und Länge

  • Motor-Abkantmaschinen: In den meisten Fällen werden Motor-Abkantmaschinen mit einer Abkantlänge von bis zu 4.000mm konstruiert, in ganz wenigen Ausnahmen darüber hinaus, da die Maschine konstruktionsbedingt in der zwei Ständer Bauweise zu groß dimensioniert werden müsste. Je nach Kantlänge können Blechdicken von bis zu 6,0mm realisiert werden, in wenigen Ausnahmefällen (wie bei den bereits oben erwähnten hydraulischen Abkantmaschinen in zwei Ständer Bauweise) können diese sogar bis zu 16,0mm Stahlblech biegen. In der Regel bietet sich aber ab einer benötigten Biegeleistung von 6,0mm eine Abkantpresse als wirtschaftlicheres Substitutionsgut an (je nach Anforderung).

  • Langabkantmaschinen: Diese Maschinen werden ab einer Baulänge von 4.000mm angeboten (als Sonderanfertigung auch 3.000mm möglich) und können standardmäßig bis zu einer Baulänge von 12.000mm konstruiert werden. Sonderlängen bis 16.000mm sind möglich und wurden in der Vergangenheit bereits realisiert. Langabkantmaschinen können eine Biegeleistung von bis zu 4,0mm Stahl N/mm² haben. Der überwiegende Teil der Maschinen wird aber mit einer Baulänge von 6.000mm und einer Kantleistung von 1,25mm verkauft.

Blechdicken-/Radiuseinstellung und Bombierung

  • Motor-Abkantmaschinen: Die Blechdicken-/Radiuseinstellung erfolgt über die Biegewange. Diese lässt sich entsprechend absenken, entweder manuell oder motorisch (selten hydraulisch). Bei letzterem somit automatisch über eine CNC-Steuerung. Es gilt zu unterscheiden ob sich lediglich die Biegewange absenkt, oder eine komplette Drehpunktverstellung erfolgt. Der Drehpunkt wird hierbei versetzt/angepasst. Letzteres dient zur zusätzlichen Optimierung von Biegeradien. Bei einigen Herstellern lässt sich zudem die Unterwange absenken/verfahren und somit der Biegewange anpassen. Dies ist von Vorteil um noch optimalere Biegeradien bei speziellen Anwendungsfällen zu erhalten (z. B. bei Radiuswerkzeugen). Die Bombierung zur Kompensation des Biegewinkels erfolgt über einen Vorspann-Mechanismus, welcher in der Biegewange integriert ist. Die Biegewange wird punktuell vorgespannt und dem Biegeprozess angepasst, um Verwindungen im Profil zu eliminieren. Dies kann manuell und mechanisch, motorisch oder hydraulisch erfolgen, je nach Größe der Maschine. Auch existieren dynamische Bombierungen, bei welchen Sensoren die Durchbiegung automatisch erfassen und an die Steuerung übermitteln, damit eine entsprechende Korrektur vom Bombiersystem vorgenommen werden kann.

  • Langabkantmaschinen: Die Bombierung sowie Blechdicken-/Radiusverstellung erfolgt anders als bei der Motor-Abkantmaschine nicht über die Biegewange, sondern über die Ständereinheiten bzw. die Oberwange. Bei der Radiusverstellung werden alle Ständereinheiten entsprechend der Blechdicke über die CNC-Steuerung etwas vor oder zurück gesetzt. Dies geschieht hydraulisch mithilfe einer Welle. Somit setzt die Profilschiene an der Oberwange etwas zurück, weiter vorn, oder parallel der Unterwange auf, und gleicht somit den Luftspalt zur Biegewange aus, je nachdem welches Material oder welche Materialdicke gekantet wird. Die Bombierung bzw. Winkel-Kompensation erfolgt über die Vorspannung einzelner Ständereinheiten. Diese können individuell justiert werden. In der Regel erfolgt die manuell durch den Anwender.

Rollenscheren

  • Motor-Abkantmaschinen: Rollenscheren sind bei den wenigsten Herstellern überhaupt vorgesehen bzw. werden nur von wenigen offeriert. Die angebotenen Rollenscheren sind nur manuell durch den Anwender zu bedienen und besitzen keinen eigenen Motor. Bedingt durch die zwei Ständer Bauweise können Motor-Abkantmaschinen nicht mit einer Parkstation für eine solche ausgestattet werden. Die Rollenschere wird also bereits im Abkantbereich in die Oberwange eingehängt bzw. installiert. Das bedeutet das nie über die komplette Arbeitslänge geschnitten werden kann. Die meisten Hersteller empfehlen hier die Anschaffung einer Tafelschere, da ein Rollenscheren-Schnitt niemals die gleiche Qualität aufweist wie ein Tafelscheren-Schnitt.

  • Langabkantmaschinen: Vermutlich werden die meisten Maschinen mit einer optionalen Rollenschere bestellt und geliefert. Diese besitzt eine Parkstation und es kann über die komplette Abkantlänge geschnitten werden. Die angebotenen Rollenscheren können entweder manuell durch den Anwender oder motorisch (hydraulisch) und somit automatisch betrieben werden. Besäumschnitte/Abschnitte lassen sich sogar in der Steuerung programmieren. Ganze Schnittprogramme sind möglich. Die Rollenscheren besitzen in der Regel eine Schnittleistung von 1,5mm Stahl N/mm², es sind aber auch größere Modelle mit einer Schnittleistung von bis zu 3,0mm Stahl bei vielen Herstellern verfügbar. Abschnitte mit Rollenscheren kommt bei Langabkantmaschinen eine große Bedeutung zu, da zum einen die Schnittqualität in aller Regel vollkommen ausreicht, und zum anderen die Anschaffung einer 6-Meter Tafelschere mit enormen Kosten verbunden ist und/oder mit Platzproblemen in der Werkstatt. Hier können also günstig und schnell 6-Meter lange Abschnitte gemacht werden, was einen großen Vorteil darstellt. Die Rollenscheren verfahren entweder in der Biege- oder in der Oberwange und werden mechanisch oder hydraulisch betrieben. Sie werden meist mit einem Stahlseil gezogen.

Tiefenanschlag

  • Motor-Abkantmaschinen: Es besteht bei vielen Herstellern die Möglichkeit eines manuellen Anschlagsystems. Das heißt die manuelle Positionierung über ein Handrad. Diese Systeme sind natürlich vor allem bei manuellen Maschinen (Hand-Maschinen) wiederzufinden, aber selbst bei konventionellen motorischen Maschinen ist dies oft als Option möglich. Der Anschlag verfährt hier über eine Zahnstange oder ein einfaches Stangensystem. Wahlweise gibt es einfache Anschläge mit durchgängigen Anschlagbalken, oder mit Anschlagfingern und Auflagerost. Mit den Anschlagfingern können kürzere Schenkel angeschlagen und gebogen werden, da diese weiter an die Unterwange bzw. bei Unterwangen mit Ausfräsung (in der Unterwangenschiene) sogar in die Unterwange fahren können, um kleinste Anschlagmaße zu realisieren (6-20mm). Die Anschläge werden von hinten mit einem Handrad verfahren, oder einfach über ein Stangensystem mit Kippanschlägen verschoben.

    Bei NC- oder CNC-Maschinen wird üblicherweise ein motorischer Anschlag verbaut welcher über Kugelumlaufspindeln verfahren wird. Die Messbereich liegt standardmäßig bei etwa 1.000mm. Auf Wunsch lassen sich größere Anschlagsysteme verbauen von bis zu 3.500mm als Mehrstufenanschlag. Auch die Tischform ist oft variabel. Es besteht die Möglichkeit eines Anschlagsystems in U- oder J-Form. Oft ist dies von Bedeutung wenn die Maschine von hinten bedient werden soll und der Anwender im Bereich des Anschlags steht. Dies ist hat bei gewissen Profilen und Arbeitsaufgaben für den Anwender und Produktionsprozess Handlingsvorteile.

  • Langabkantmaschinen: Die Anschlagsysteme werden motorisch über AC-Servomotoren angetrieben. Die Übersetzung erfolgt fast immer mithilfe einer Welle und Zahnriemen. Hierbei wird der Anschlagbalken auf Fahrwägen über eine Profilschiene gezogen. Bei einigen Herstellern gibt es die Möglichkeit den Anschlag mit verschiedenen Anschlagfingern auszustatten. Zum einen mit massiven, welche für dickere und schwere Bleche bestens geeignet sind und kaum einen Verschleiß unterliegen, oder zum anderen mit Federfingern welche die Möglichkeit besitzen deutlich näher an bzw. in die Unterwange zu fahren, um besonders kurze Anschlagmasse zu realisieren (10mm). Aber auch Greiffinger (Übergreifer) sind bei einigen Herstellern verfügbarBei Maschinen mit konventioneller Steuerung (2-Achsen) gibt es nach wie vor noch die Möglichkeit die Maschine mit einem manuellen Tiefenanschlag auszustatten. Hierbei wird der Anschlag mit einem Handrad verfahren, das mechanische Übersetzungsprinzip bleibt das gleiche.

    Der Messbereich der Anschläge ist um die maximale Einlegetiefe/Ausladung in der Ständereinheit begrenzt. Üblicherweise werden heute Maschinen mit einer Einlegetiefe von 1.250mm gebaut. Maximal lassen sich als Sonderanfertigung Ständereinheiten mit einer Einlegetiefe von 1.500mm realisieren. Ein größeres Anschlagmaß ist also auch theoretisch nicht möglich. Oft können bei Langabkantmaschinen auch konische Anschläge als Option verbaut werden. Hierbei wird entweder eine zusätzliche und unabhängige Anschlageinheit (mit eigenem Motor) verbaut, oder der komplette Anschlagbalken wird mit der Möglichkeit konzipiert sich über einen Drehpunkt schräg zu stellen, um konische Profile zu realisieren.

Werkzeuge:

  • Motor-Abkantmaschinen: Hier besteht naturgemäß die Möglichkeit eine Vielzahl von Oberwangenwerkzeugen zu nutzen. Die Oberwange (Aufnahmeschiene) ist entweder mit einem Schraubsystem oder einem Schnellwechselsystem für Werkzeuge ausgestattet. Letztes ist von Vorteil sollten Werkzeuge häufig gewechselt werden müssen. Es stehen mit Scharfschienen, Rundschienen und Geißfußschienen ein breites Portfolio an einsetzbaren Werkzeugen zur Verfügung. Gerade Geißfußschienen oder gekröpfte Werkzeuge ermöglichen dem Anwender eine größere Ausladung zu schaffen (je nachdem ob hinten oder vorne) und den Freiraum für Profile dadurch zu vergrößern. Die Möglichkeit Werkzeuge zu wechseln ist also von enormen Vorteil. Auch lassen sich segmentierte Werkzeuge benutzen, was das Kanten von Kästen ermöglicht. Dies ist bei Langabkantmaschinen überhaupt nicht möglich. Die Einsatzschienen für die Biegewange lassen sich der zu bearbeitenden Blechdicke anpassen.

  • Langabkantmaschine: Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen existiert in der Oberwange kein zusätzliches Werkzeug zum Klemmen der Profile, sondern die Oberwange selbst ist entsprechend gefräst und geschliffen, bestehend aus einem Flachmaterial, welches bei Verschleiß getauscht werden kann. Oder es wird in die Oberwange ein Einsatzwerkzeug wie eine Scharfschiene verschraubt, welche ebenfalls bei Verschleiß und Abnutzung ausgetauscht werden kann. Ein grundsätzlicher Werkzeugwechsel ist bei Langabkantmaschinen im allgemeinen aber nicht vorgesehen. Es existiert keine spezielle Aufnahmeschiene für Werkzeuge. Das bedeutet nicht das den Einsatzwerkzeugen keine Bedeutung zuteil wird. Viele Hersteller optimieren Ihre Werkzeug- und Oberwangen-Geometrien immer weiter, um dadurch einen immer größeren Freiraum für Profile zu erhalten. Langabkantmaschinen besitzen auch angeschraubte Vorsatzschienen an der Biegewange, diese sind aber nicht als Wechselwerkzeuge für eine Blechdickenanpassung vorgesehen wie bei Motor-Abkantmaschinen.

Eigenschaften am Maschinenkörper

  • Steuerwelle: Um ein Gleichschließen der Oberwange zu gewährleisten wird von einigen Herstellern eine Steuerwelle verbaut. Diese geht durch alle Ständereinheiten der Maschine und erzwingt beim nach unten fahren ein Gleichschließen der Oberwange. Andere Hersteller verbauen hierbei Druckbegrenzungspatronen welche die Zuleitungen der Oberwangenzylinder maßhaltig elektronisch abriegeln/begrenzen, sobald der gewünschte Wert erreicht ist. Beide Systeme haben eine besondere Bedeutung wenn es um das Falzen von Blechen bzw. Umschlägen, insbesondere bei offenen Umschläge geht.
  • Gelenke: Die Biegewange ist mithilfe von Gelenken gelagert. Die hydraulische Kraft wird über Hydraulikzylinder auf die Biegewange ausgewirkt. Die Anzahl der verbauten Gelenke und Biegewangenzylinder variiert je nach Abkantlänge und Biegeleistung.
  • Drehbare Oberwange: Einige Hersteller von Motor-Abkantmaschinen bieten eine drehbare Oberwange an. An beiden Seiten der Oberwange befinden sich Aufnahmeschienen für Werkzeuge. Eine drehbare Oberwange ermöglicht dadurch schnelle Werkzeugwechsel. Zudem ändert sich nach dem Drehen die Geometrie der Oberwange. Je nach Profil kann eine alternative Oberwangen-Geometrie sehr nützlich sein.
  • Ausschwenkbare Oberwange: Einige Hersteller bieten als Option bei Motor-Abkantmaschinen eine ausschwenkbare Oberwange an. Dies ist dann von Vorteil, wenn spezielle Profile komplett um die Oberwange gekantet werden und durch die geschlossenen Bauform nicht seitlich sowie frontal entnommen werden können. Hierbei kann die Oberwange (seitlich gelagert) ausgeschwenkt werden, damit sich das Profil entnehmen lässt. Diese Option ist eher selten, da die gesamte Oberwange eine spezielle Geometrie benötigt, damit ein solcher Kantvorgang überhaupt möglich ist.
  • Oberwangen-Geometrie: Die meisten Schwenkbiegemaschinen besitzen eine schräge Oberwangen-Geometrie, damit Profile resp. Schenkel nicht an dieser anstoßen und eine gewisse Profilfreiheit gewährleistet werden kann. Das gilt für Motor-Abkantmaschinen und Langabkantmaschinen gleichermaßen. Der Grad der Schrägung variiert hierbei bei vielen Herstellern. Damit vor allem viel Platz vor der Maschine ist, konstruieren Hersteller gerade bei Langabkantmaschinen die Oberwange bzw. Werkzeuge mit einem sehr spitzen Winkel. Natürlich wird Platz vor der Oberwange hinter der Oberwange weniger. Damit hier das richtige Verhältnis gefunden wird, verbessern Hersteller diese Geometrien immer weiter. Das Verhältnis muss stimmen. Da aber Profile bei Schwenkbiegemaschinen vorwiegend von innen nach außen (aus der Maschine raus) gekantet werden (s. Abschnitt in Gesenkbiegen-Schwenkbiegen) spielt der Freiraum vor der Maschine eine größere Rolle.

    Auch werden seit geraumer Zeit versetzte Biegewangen bei Langabkantmaschinen konstruiert. Diese sind ebenfalls etwas nach hinten versetzt, damit auch nach unten mehr Freiraum für Profile entsteht.

    Einige Motor-Abkantmaschinen sowie Hand-Abkantmaschinen werden mit flacher Oberwange konstruiert. Dies ist besonders bei langen Schenkeln von Vorteil. Da hier unter Umständen um die Oberwange gekantet werden kann.

Automation:

  • Biegezelle: Besitzen Motor-Abkantmaschinen eine Roboter-Applikation sowie ein automatisches Werkzeugwechselsystem, spricht man im allgemeinen von einer Biegezelle-/Roboterzelle. Diese Systeme machen die Motor-Abkantmaschine zum autonomen Fertigungssystem, welches unbemannt und autark arbeitet. Vorteile einer Roboter-Applikationen sind neben der Fähigkeit hohe Stückzahlen schnell und wirtschaftlich zu fertigen, vor allem kleine und komplexe Platinen besonders präzise biegen und produzieren zu können. Zudem spielt die exakte Wiederholgenauigkeit eine große Rolle. Ein automatischer Werkzeugwechsel erfolgt bei diesen Biegezellen und Biegezentren (s. nachstehend) meist seitlich über ein Zuführ- bzw. Bestückungssystem, oder durch den Hauptroboter, welcher für den Wechsel allerdings seinen Teilegreifer am Manipulator gegen einen speziellen Werkzeuggreifer tauschen muss. Die seitliche Bestückung erfolgt über spezielle Werkzeuggreifer, die über ein Schienensystem die Werkzeuge frontseitig wechseln (anders als bei Abkantpressen also nicht von hinten).

  • Biegezentrum: Im Schwenkbiegebereich sind in dieser Form auch komplett geschlossene und automatisierte Anlagen erhältlich, sogenannte Biegezentren. Diese übernehmen den kompletten Produktionsprozess inkl. automatisierten Blechlager und Zuführsystem, automatischen Werkzeugwechsler, automatischer Ausrichtung und Vermessung der Platinen sowie ggf. Sortierung (etc.). Alles in einer Anlage aus verschiedenen planvoll zusammengestellten Einzelkomponenten, welche funktional und steuerungstechnisch miteinander kommunizieren. Oft befinden sich hier die Biegewangen dieser Anlagen innerhalb der eigentlichen Schwenkbiegemaschine. Die Biegewangen selbst haben eine speziell gewölbte Form. In den meisten Fällen werden zwei Biegewangen zur Produktionssteigerung verwendet, welche aber oft an einem Biegewangenträger (Biegeeinheit) montiert sind welcher von oben und unten schwenken kann. Die Form des eigentlichen Schwenkbiegezentrums erinnert eher an die Konstruktion einer Abkantpresse. Die Oberwange nennt sich hier Blechniederhalter. Die Unterwange besitzt zudem einen Gegenhalter, welcher das Blech während des Biegevorgangs zusätzlich klemmt. Die meisten Anlagen besitzen einen servoelektrischen Antrieb.

  • Doppel-Abkantmaschinen: Diese besondere Art der Langabkantmaschine besitzt jeweils eine Biegewange oben und unten. Zudem besitzen Vollautomaten einen Anschlag mit Greif- bzw. Klemmfingern, welche das Blech sowohl schieben als auch (das bereits vorgekantete Profil) übergreifen und ziehen können. Durch das positiv-/negativ Biegen wird das Drehen und Wenden des Profils auf ein Minimum reduziert oder fällt ganz weg. Halbautomaten besitzen ein Anschlagsystem mit konventionellen Anschlagfingern, welche das Blech wie bei einer gewöhnlichen Langabkantmaschine nach vorne schieben. Der Produktionsprozess wird bei diesen Voll- bzw. Halbautomaten um ein vielfaches beschleunigt. (Eine ausführliche Gegenüberstellung finden Sie hier).

  • Up-/Down Bend: Diese besondere Art der Motor-Abkantmaschine besitzt ebenfalls die Fähigkeit positiv-/negativ zu biegen. Allerdings erfolgt dies mit nur einer Biegewange. Diese ist in der Lage sich zu entkoppeln und am unteren oder oberen Drehpunkt wieder einzuhängen. Das Blech wird hierbei umfahren, da die Biegewange sich aus einer Halterung nach hinten versetzen kann. Es gelten hier die genannten Vorteile des positiv-/negativ Biegens. (Eine ausführliche Gegenüberstellung finden Sie hier).

Hiermit bestätigen wir, dass Maschinenberatung.de diese Arbeit selbständig verfasst und keine anderen Quellen und Hilfsmittel verwendet hat. Wir weisen speziell darauf hin, dass sich verschiedene Vor- und Nachteile sowie Eigenschaften nicht auf alle Fabrikate anwenden lassen. Oft sind andere Faktoren maßgeblich entscheidend, auf welche Hersteller individuell eingehen, um somit Ihre Produkte zu verbessern. Dieser Text soll als ein genereller Leitfaden angesehen werden, welcher sich bedingt durch unsere langjährige Erfahrung so darstellt. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel.

München im September 2016

 

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