Industrie 4.0, Vernachlässigung durch neue Technologie?

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Seit geraumer Zeit hört man praktisch mit einer zunehmenden Intensität den Begriff "Industrie 4.0". Für viele Hersteller und Verbände wird dieser Begriff immer bedeutender. Aber was ist Industrie 4.0? Wie sieht die Zukunft auf dem Maschinenmarkt konkret aus? Und was bedeutet es für kleine und mittelständische Handwerksbetriebe? Wir gehen diesen Fragen nachstehend auf den Grund....

 

Industrie 4.0 ist offiziell ein Projekt der Bundesregierung zur Steigerung der industriellen Produktion, durch intelligente und digital vernetzte Systeme. Das Ziel hierbei ist eine selbstorganisierte Produktion. Die Kommunikation der einzelnen Systeme soll dazu führen eine ganze Wertschöpfungskette zu optimieren, und nicht nur einzelne Produktionsabläufe. Auf "gut Deutsch" soll hierdurch versucht werden ausführende Tätigkeiten in Produktionsabläufen weites gehend auf Roboter umzulegen. Der "Mensch" steuert praktisch nicht mehr direkt die Maschine, sondern komplette Produktionsabläufe vom Computer aus. Zudem kommunizieren die Maschinen und Anlagen untereinander. Hierbei soll nicht nur der eigentliche Produktionsprozess behandelt werden, sondern praktisch die ganze Produktionskette, also von der Logistik bis zur Entsorgung/Recycling.

 

Der Begriff wurde auf der Hannovermesse 2011 veröffentlicht. 5 Jahre später merkt man immer mehr wie wichtig diese Thematik geworden ist. Wenn man sich heutzutage auf einer Messe für Blech- und Metallbearbeitung umsieht, wird man kaum noch Maschinenhersteller finden die diese Thematik nicht behandeln. Kaum ein Stand hat keine vollautomatisierte Maschine mit Roboter ausgestellt, oder eine kombinierte Anlage. Es steht außer Frage dass eine vollautomatisierte und optimierte Produktionskette die Zukunft der Industrie ist, aber wie schaut bei Maschinen für den kleinen oder mittelständischen Handwerksbetrieb aus? Steht hier in ca. 10-15 Jahren auch eine vollautomatisierte Abkantpresse oder Schwenkbiegemaschine, selbst wenn es nur um Einzelfertigung oder eine Kleinserie geht? Praktisch von der Baustelle zur Maschine vollautomatisiert?

 

Beobachten konnte man eine ähnliche Entwicklung bereits bei Einführung von CNC gesteuerten Maschinen mit Grafik-Steuerung. Gerade mittelständische und kleine Handwerksbetriebe bezogen hier erfahrungsgemäß immer noch lieber konventionelle Maschinen. Das hatte natürlich einleuchtende Gründe. Die Technologie kostete zum einen deutlich mehr, und zum anderen bedurfte die Bedienung ausführlichere Maschinenkenntnisse, die man sich erst aneignen musste. Dadurch war man natürlich nicht besonders flexibel in der Einzelfertigung, da in kleineren Handwerksbetrieben praktisch jeder Mitarbeiter die Maschine bedienen soll. Außerdem war der Mehrwert doch sehr fraglich, da die Maschine sich durch die Einzelfertigung praktisch nicht amortisierte. Aber es hat sich zwischenzeitlich hier doch einiges geändert. Heutzutage werden im Neumaschinen Bereich deutlich mehr CNC-gesteuerte Maschinen an kleine und mittelständische Handwerksbetriebe ausgeliefert als konventionelle oder NC-gesteurte. Die meisten Hersteller bieten gar keine konventionellen Maschinen mehr an, zumindest im Bereich der Abkantpressen. Bei Schwenkbiegemaschinen stehen die konventionellen Maschinen nach wie vor hoch im Kurs, obwohl auch hier der Trend bei kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben immer mehr zur CNC-gesteurten Maschine geht.

 

Uns ist klar, die "Message" von Industrie 4.0 ist nicht dass jeder kleine bis mittelständische Handwerksbetrieb ab morgen eine automatisierte Fertigung benötigt, trotzdem kann es einem so vorkommen, als würde gerade dieser wichtige Wirtschaftszweig durch die stetige Entwicklung und Technologisierung etwas vernachlässigt werden, gerade weil hier oft praktische, schnelle und unkomplizierte Lösungen benötigt und mit einem kleinem Budget realisiert werden sollen. Viele europäische Maschinenhersteller sprechen diese Thematik gar nicht mehr an. Lösungen für kleine Handwerksbetriebe werden hier nicht mehr angeboten. Der Gebrauchtmaschinenmarkt bietet sich hier oft als gute Alternative an. Aber es fehlt hier an Überblick. Zudem nutzen viele internationale Hersteller gerade die Chance den Bedarf mit günstigen und einfachen Maschinen zu decken. Die „Kluft“ zwischen dem europäischen und dem internationalen Maschinenmarkt, sowie der Industrie und dem Handwerk geht in unseren Augen hier immer weiter auseinander.

 

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4 Comments

  1. A.S. sagt:

    Hallo Hr. Hartmann,

    ich sehe auch die Gefahr, dass inbesondere Kleinunternehmen hier von den „großen“ Spielern abgehängt werden mangels Unterstützung zu Industrie 4.0 durch die Hersteller.

    Viele Grüße,
    A. S.

  2. A. Schmader sagt:

    Ich finde Ihren Beitrag sehr interessant und stimme auch vollkommen zu, leider habe ich aber nicht ganz verstanden was die Thematik mit der damaligen Einführung von grafischen CNC-Steuerungen zu tun hat. Meinen Sie dass diese technische Revolution mit den jetzigen Themen gleichzusetzen ist und die Automation sich früher oder später auch bei kleinen Betrieben bemerkbar macht, oder wie darf ich das verstehen? Sie hatten das ja erst verneint! Wir hatten das Thema ja schon kurz telefonisch angeschnitten …
    Grüße, Schmader

    • Dominik Hartmann sagt:

      Hallo Herr Schmader,

      vielen Dank für Ihre Antwort mit dieser durchaus berichtigten Frage. Prinzipiell haben die beiden Thematiken nicht viel miteinander zu tun, da dass Projekt Industrie 4.0 vorwiegend die Industrie betrifft. Trotzdem wird sich auch die Technologie bei „konventionellen“ Maschinen stetig entwickeln. Das was heute ein teures Zubehör mit Aufpreis darstellt wird vielleicht in 5 Jahren schon standardmäßig bei vielen Herstellern verbaut. Ich wollte mit meiner Aussage zu den CNC-Steuerungen nur deutlich machen dass technischer Fortschritt, selbst wenn dieser erschwinglich wird für Kleinbetriebe, trotzdem nicht sofort von diesen angenommen wird, da der Nutzen erstmal in Frage steht.