Bombieren! Aber warum?

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Bombieren war bei Abkantpressen und Schwenkbiegemaschinen früher gar kein Thema, Verwindungen und Ungenauigkeiten allerdings schon. In der Regel wurden diese Differenzen manuell beseitigt, in dem z. B. dünne Metallplättchen unter die Matrize gelegt wurden, um der Durchbiegung etwas entgegen zu wirken. Eine ordentliche Bombierung ist aber gerade bei Abkantpressen heutzutage gar nicht mehr weg zu denken, aber auch Schwenkbiegemaschinen benötigen beim Kanten stärkerer Bleche eine. Aber Warum eigentlich? Warum muss der Maschinentisch einer Abkantpresse, oder die Biegewange einer Schwenkbiegemaschine vorgespannt werden?

 

Grundsätzlich ist jede Maschine im Bereich Ihrer Ständereinheiten bzw. Rahmen massiver und solider. In diesen Bereichen kommt es zu deutlich weniger Durchbiegung als beim Rest der Fläche. Je weiter weg das Material vom Ständer/Rahmen liegt, desto mehr Durchbiegung unterliegt es, da die Kräfte durch weniger Material schwächer absorbiert werden. Die einwirkenden Kräfte werden aber im Idealfall gleichmäßig über die komplette Abkantlänge verteilt, deswegen gibt die Oberwange, die Biegewange, oder der Maschinentisch an den Teilen der Maschine mehr nach, an dem diese nicht durch Ständer oder Rahmen unterstützt werden. Bei langen Blechen die sowohl über Ständereinheiten als auch freier Fläche gekantet werden, ist dieser Effekt dann deutlich sichtbar. Das Profil geht weiter auf. Aber auch kürzere Profile die praktisch nur in der Mitte bzw. an keiner Ständereinheit gebogen werden, stimmt das Biegeergebnis nicht, es muss korrigiert werden.

 

Bei einer Abkantpresse kommt es im Bereich der Rahmen (am Maschinentisch) zu kaum bis gar keiner Durchbiegung. Hier biegen sich die Rahmen selbst auf. Dies muss aber auf einem anderen Weg kompensiert werden. Je weiter man in der Mitte geht, desto stärker wird die Durchbiegung, da kein Rahmen vorhanden ist um die Konstruktion zu stabilisieren. In der Mitte ist Durchbiegung dann am stärksten. Auch muss bedacht werden, dass sich nicht nur der Maschinentisch durchbiegt, sondern auch der Pressbalken den Kräften „nachgibt“. Welcher Teil der Maschine (ob Pressbalken oder Maschinentisch) mehr Durchbiegung unterliegt ist Konstruktionsabhängig. Zwar beträgt diese in der Regel „nur“ maximal 0,15mm, wenn man aber bedenkt das etwa 0,7mm schon 1° Differenz im Biegewinkel ausmachen, möchte man diesen Wert besser ausgleichen, da es ansonsten zu Verwindungen und Ungenauigkeiten im Profil kommt.

 

Bei einem typischen Profilbild eines nicht bombierten Maschinentisches, besitzen die Seiten des Profils im Idealfall den vorgegebenen Winkel, während die Mitte des Profils „weiter aufgeht“, also einen höheren Winkel aufweist. Zum Ausgleich dessen werden Bombiersysteme im Maschinentisch (oder in der Unterleiste) integriert. In den meisten Fällen wird heute zu Tage ein Keilsystem verwendet. Hierbei schieben sich Keile übereinander, je nachdem wie stark bombiert werden muss. Je dicker das zu bearbeitende Material bzw. je höher die Presskraft, desto stärker ist die Durchbiegung und desto mehr muss den Kräften entgegengewirkt bzw. bombiert werden. Diese Art der Bombierung kann manuell über eine Kurbel/Handrad oder heutzutage in den meisten Fällen motorisch über die CNC-Steuerung erfolgen. Zudem existieren Systeme mit hydraulischen Bombierkolben im Maschinentisch. Diese werden häufig bei besonders hohen Presskräften verwendet. Die Bombierung erfolgt entweder nach vorher errechneten Werten, oder per Echtzeit Messung. Rein mechanische Abkantpressen mit Rollensystem benötigen heutzutage oft keine Bombierung mehr, da der Riemenantrieb im Pressbalken so konzipiert ist, dass dieser die Kräfte sehr gleichmäßig über die komplette Maschinenlänge verteilt. Aber auch kleine Abkantpressen mit geringer Kantlänge und Tonnage benötigen keine Bombierung (Beistellmaschine).

 

Bei Schwenkbiegemaschinen verhält es sich technisch etwas anders, ist aber vom Prinzip her genau das gleiche. Hier biegt sich allerdings nicht der Tisch/Unterwange durch, sondern die Biegewange bzw. die Oberwange. Die geringste bzw. gar keine Durchbiegung existiert bei Motor-Abkantmaschinen (genau wie bei Abkantpressen) an den beiden Ständereinheiten links und rechts, da hier die Maschine am stabilsten ist. Die größte Durchbiegung existiert in der Mitte der Maschine. Der Effekt tritt hier ebenfalls nur beim Kanten stärkerer Bleche auf bzw. ist er dann sehr signifikant, weswegen kleinere Maschinen für dünnere Bleche überhaupt keine Bombierung benötigen. Anders als bei der Abkantpresse wird beim Bombieren nicht etwa der Maschinentisch bzw. die Unterwange vorgespannt, sondern die Biegewange. In den meisten Fällen erfolgt dies aufgrund der geringen Kantlänge und dem geringen Blechdickenbereich manuell.

 

Bei Langabkantmaschinen erfolgt die Bombierung noch einmal etwas anders. Hier wird weder Biegewange noch Unterwange vorgespannt, sondern der Maschinenständer. Hierbei werden die mittleren Ständereinheiten etwas nach vorn gesetzt, um die Verwindungen über die Profillänge hinweg zu eliminieren.

 

Bei Motor- und Langabkantmaschinen muss ab einer bestimmten Blechdicke zusätzlich der Radius angepasst werden (Blechdickeneinstellung-/Radiusverstellung), damit der Radius am Profil stimmt bzw. die Kantung genauer ist. Hierfür muss der Abstand zwischen der Oberwange und der Biegewange angepasst werden. Bei einer Motor-Abkantmaschine lässt sich hierfür die Biegewange absenken und der Blechdicke anpassen. Bei einer Langabkantmaschine wird hierfür die Oberwange angepasst, in dem diese an den Ständereinheiten vor oder zurückgesetzt wird, je nach Materialdicke.

 

Die genauen Unterschiede aller Möglichkeiten und Optionen zum Thema Bombierung und Radiusverstellung finden Sie ausführlich in unserem Maschinen-Lexikon.

 

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